Leseproben

Das Buch zum Film: bayala – Das magische Elfenabenteuer

Lass dich durch einen ersten Blick in die magische Geschichte rund um zauberhafte Elfen und majestätische Drachen entführen.

Das Buch zum Film

bayala - Das magische Elfenabenteuer

(S. 21-23)

Piuh kuschelte sich noch weiter unter das Blatt. Unglücklicherweise rutschte er dabei immer weiter an den Rand des Betts, und bevor er sich versah, fiel er im Sturzflug vom Baum. Das war kein Erwachen nach seinem Geschmack. Entsetzt quiekte er auf. Hätte nicht im letzten Moment eine Ranke seinen Sturz aufgehalten, wäre er ungebremst auf den Stein unterhalb des Baums gekracht. So aber hatte er Glück im Unglück und landete ziemlich sanft darauf. Doch die Erschütterung genügte, um den Stein wieder zum Wackeln zu bringen. Ein leises Fauchen drang heraus.

»Piuh?« Marween hüpfte eilig über die Äste und Wurzeln des alten Baums zu ihm hinunter. »Bist du okay?« Sie runzelte die Stirn. »Was sind denn das für seltsame Geräusche? Das klingt ja beinahe so wie in meinen Träumen.«

Neugierig beugte sie sich über den moosbewachsenen, dreckigen Stein, der sich kaum von den anderen herumliegenden Steinen unterschied. Ein leises Flüstern und Wispern drang heraus. Marween traute ihren Ohren nicht.

»Oh«, sagte sie leise. »Ein Stein, der sprechen kann?« Sie warf Piuh einen zweifelnden Blick zu. Der hatte natürlich auch keine Erklärung parat. Er hielt es allerdings für angebracht, etwas Abstand zu diesem seltsamen Objekt zu halten.

Nicht so Marween. Aufgeregt sprang sie auf.

»Bei meinen Flügeln«, rief sie begeistert. »Es ist ein sprechender Stein.« Sie rüttelte mit aller Kraft daran. »Das ist das perfekte Geschenk für unsere neue Königin.« Der Stein ließ sich allerdings keinen Zentimeter von seinem Platz bewegen.

Aber so leicht gab Marween nicht auf. Sie zupfte ihr hellgrünes Kleid zurecht, zog ihre geringelten Strumpfhosen hoch und lehnte sich gegen eine dicke Wurzel des Baums, um sich mit aller Kraft gegen den Stein zu stemmen. Es musste doch möglich sein, ihn zu bewegen. Die künftige Königin Eyela würde ja wohl kaum herkommen, um ihr Geschenk abzuholen. Marween musste den Stein schon zu ihr bringen.

Da trafen die ersten Sonnenstrahlen Marweens blütenweiße Flügel, und im Licht erglänzten sie wie mit Diamanten besetzt.

»Endlich«, rief sie und lachte. »Zeit zum Fliegen.« Es wäre doch gelacht, wenn sie den Stein mithilfe ihrer Flügelkraft nicht aus der Erde ziehen könnte.

Sie zog und flatterte und mühte sich ab. Auch Piuh hatte sich entschlossen zu helfen und drückte von der anderen Seite mit aller Kraft gegen den Stein. Schließlich, nach viel Schieben und Zerren und Ziehen und Mühen, ploppte der Stein plötzlich aus der Erde.

Marween hielt den großen Brocken in Händen und flatterte auf und ab. Doch das Ding war so schwer, dass sie ihren Flug kaum kontrollieren konnte. Bereits nach ein paar Metern blieb sie an einer Wurzel hängen und fiel unsanft zu Boden.

»Also, bei meinen Flügeln ...«, stöhnte sie. Sie hätte nicht gedacht, dass es eine solch schwere Arbeit sein könnte, diesen Stein zu bewegen. Aber sie wäre nicht Marween, wenn sie so schnell aufgegeben hätte. Wieder stemmte sie sich dagegen und rollte ihn weiter bis zu dem schmalen, abschüssigen Weg, der zur großen Straße führte.

Jetzt war der Stein plötzlich gar nicht mehr zu halten. Immer schneller holperte und stolperte und rollte er den Weg hinunter. Marween starrte ihm fassungslos nach. Dann schoss sie wie der Blitz hinterher.

(S. 49-50)

»Ihr vier bereitet euch auf die Reise vor«, sagte Eyela. Sie warf Falaroy einen Blick zu. »Ich spreche mit den Stammesführern und versuche, sie zu überzeugen, sich uns anzuschließen. Dann kommen wir nach und treffen euch auf dem Sonnwendfels, um das Drachenfest zu feiern.« Sie blickte die anderen an: »Was sagt ihr?«

Einen Moment lang herrschte Schweigen im Thronsaal. Dann hakte sich Surah bei Sera und Marween unter.

»Ich sage, wir haben vier Tage Zeit bis zur Sonnenwende«, rief sie entschlossen.

»Und wir sollten gestern anfangen«, ergänzte Sera und lachte unternehmungslustig.

Eyela lächelte zufrieden. Sie hatte nichts anderes von ihren Schwestern erwartet.

Damit war die Versammlung beendet, und alle eilten zur Tür. Es gab viel zu tun, und die Zeit war knapp. Eyela nahm Nugurs Ei und drückte es Marween in die Hände.

»Wenn ihr unterwegs seid«, sagte sie, »müsst ihr Nugur unbedingt vor den Blicken Ophiras und ihrer Raben schützen. Sie wird alles tun, um ihn in ihre Hände zu bekommen.« Sie blickte Marween ernst an. »Ein Drache und seine Magie würden sie nur noch mächtiger machen.«

Marween hatte ihr aufmerksam zugehört. Jetzt nickte sie eifrig und versprach, Nugur um jeden Preis zu beschützen.

(S. 71-72)

Es war spät am Abend, und es gab nur noch eine Sache zu erledigen: die Unterhaltung mit dem Waldelfenkönig. Der schien kein bisschen müde zu sein. Kerzengerade stand er vor Eyelas Thron und betrachtete sie streng. Die langen hellen Haare hatte er oben zu einem Knoten gebunden. Seine Flügel erinnerten an die hellgrünen Blätter der Bäume, und auch sein festlicher Anzug war in den erdfarbenen und grünen Tönen des Waldes gehalten.

»Ein Drachenfest?«, fragte er misstrauisch, als Eyela ihm ihre Pläne ohne Umschweife mitteilte. Die anderen hatten ja schon zugesagt, also war sie guter Dinge. Doch der Waldelfenkönig schien aus anderem Holz geschnitzt zu sein. Er sagte einfach gar nichts. Zunehmend nervös beobachteten ihn Eyela, Falaroy und Feya. Der König zupfte nachdenklich an seinem dünnen Bart. Unmöglich, an seinem Gesicht abzulesen, wie er über Eyelas Vorschlag dachte. Doch dann vermeinte Eyela, ein schmales Lächeln um seine Mundwinkel wahrzunehmen. Es wurde breiter, und seine Augen fingen an zu funkeln.

»Nun ja«, sagte er schließlich lang gezogen. »Die Waldelfen könnten daran teilnehmen ...«

»Oh, vielen, vielen Dank«, rief Eyela erleichtert. »Wir wollen gleich morgen –« Doch weiter kam sie nicht.

»Ähm, nennt mich verrückt«, unterbrach sie der Waldelfenkönig und ging nachdenklich vor Eyelas Thron auf und ab. »Aber: Braucht man für ein Drachenfest nicht Drachen?« Verschmitzt blickte er Eyela an.

Eyela stutzte. War der König der Waldelfen tatsächlich der Meinung, sie hätte diesen Punkt nicht bedacht?

»Oh ja«, sagte sie zuvorkommend. »Natürlich ... Ich meine –«

Wieder unterbrach der Waldelfenkönig sie mit seiner schnarrenden Stimme, die etwas an das Sägen von Holz erinnerte.

»Und ... habt Ihr denn Drachen?«

Eyela war unsicher, auf was er hinauswollte. Sprach er von ausgewachsenen, echten Drachen? Oder zählte der kleine Nugur in seinem Ei auch schon als Drache für ihn?

»Also«, antwortete sie zögernd. »Ja!«

»Und ...«, setzte der Waldelfenkönig seine Befragung fort. Eyela, Falaroy und Feya erwarteten mit Spannung, was ihm wohl jetzt noch für eine schwerwiegende Frage einfallen würde. »Wird auch getanzt?«

Alle drei blickten ihn erstaunt an. Getanzt?

»Aber ... Aber ja«, riefen sie beinahe gleichzeitig. Eyela sprang auf. »Mehr Tanz, als Ihr jemals erlebt habt«, fügte Falaroy etwas voreilig hinzu. Eyela strahlte den Waldelfenkönig an.

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